Alter Schlachthof

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Adresse

Rotenbergplatz 19
Eupen


4700
Belgien


Geschichte, Umbau und Zukunft

schlacht1Der „Alte Schlachthof“ ist ein architektonisch markanter Gebäudekomplex von ca. 2.000 m² auf einem weitläufigen Gelände in unmittelbarer Nähe zum Eupener Stadtzentrum. Erbaut wurde er zwischen 1901 und 1903 im preußischen Industriestil der Gründerzeit und diente bis 1991 als städtischer Schlachthof. Geplant und umgesetzt hatte den Bau seinerzeit der Dürener Architekt Walter Freese (1).

Seit 1993 nutzten Chudoscnik Sunergia und andere Vereinigungen die Räume im Schlachthof und deren außergewöhnliche Atmosphäre für Kulturveranstaltungen aller Art. Konzerte, Theateraufführungen, Kunstausstellungen, groß angelegte interaktive Projekte und einige Aufsehen erregende Happenings trafen auf ein sehr breites Interesse beim Publikum, das sich immer wieder von der besonderen Ausstrahlung, von den Lichtverhältnissen und der interessanten Architektur des ehemaligen städtischen Schlachthofs fasziniert zeigte. Der damalige Erfolg forderte und fordert zum Weitermachen förmlich auf.

schlachthof3Doch die Arbeiten zum Ausbau des Schlachthofs in ein multifunktionales Kulturhaus machten der Planung und Durchführung von Veranstaltungen ein vorläufiges Ende. Allerdings fanden Chudoscnik Sunergia und andere soziokulturelle Vereinigungen, wie beispielsweise die Volkshochschule, im ehemaligen Direktionshaus ihre Heimat. In den renovierten Stallungen richteten sich die Raupe und der Regiomarché ein.

„Regionales Kulturzentrum Nord

Bald wird der Alte Schlachthof dauerhaft zu neuem Leben erweckt. In umfangreichen Baumaßnahmen wird er zurzeit zum Veranstaltungsort ausgebaut und in das Konzept des geplanten „Regionalen Kulturzentrums Nord“ im Norden der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens eingegliedert.

Neue Möglichkeiten tun sich auf! Der Alte Schlachthof der Zukunft bietet den Komfort eines anspruchsvollen Veranstaltungsortes und alle Möglichkeiten für ein einfallsreiches Kulturprogramm, ergänzend zum bestehenden Angebot in der Stadt Eupen und der gesamten Region.

In der zuweilen so genannten Eupener „Kulturmeile“, zu der auch das Jünglingshaus in der Neustraße, das Kunstmuseum IKOB in den Loten und das Kolpinghaus in der Bergstraße gehören, wird der Alte Schlachthof zu einem wichtigen Eckpfeiler. Seine zentrale Lage im Herzen der Euregio Maas-Rhein wird dabei ganz deutlich zum verbindenden Brückenkopf.

Gestalter und Projektentwickler

Der Lütticher Ingenieur, Architekt und Städteplaner Daniel Dethier und seine Partner führten gemeinsam mit dem Generalbauunternehmen G. Moury S.A. den Umbau der ersten Phase unter Wahrung der historischen Silhouette aus und ebneten damit den Weg zu seiner späteren Nutzung als moderner und multifunktionaler Veranstaltungsraum mit überregionaler Ausstrahlung. Chudoscnik Sunergia und das Kulturelle Komitee der Stadt Eupen begleiteten als partnerschaftliche Projektentwickler diese Arbeiten.

In der ersten Umbauphase, die im September 2007 begann, wurde die Außenhaut des Hauptgebäudes renoviert, Böden wurden erneuert und isoliert, Geräusch filternde Fenster und Türen eingebaut, einige Mauern eingerissen, andere neu hochgezogen und Treppen konnten eingebaut werden. Zudem wurden einige strukturelle Veränderungen durchgeführt, um bestehende und neu entstandene Räume später einer polyvalenten Nutzung zuführen zu können.

Auch die dem Hauptgebäude vorgelagerten kleineren Gebäude wurden in Angriff genommen. Das kleine Bürohäuschen, das als Eingang und Kasse die Verbindung zwischen Haupt- und Nebengebäuden bilden wird, wurde fast originalgetreu wieder aufgebaut. In das so genannte „Gewürzhäuschen“, in dem ein Kulturcafé entstehen wird, wurden im Winter 2008/2009 ein neues Dach, neue Fenster und neue Türen eingebaut.

Krönung des Projekts ist die Renovierung des Turms, der die Silhouette des Alten Schlachthofs erst recht zu etwas ganz besonderem macht. Aus dem Turm heraus kann ein einmaliger Panoramablick über die Stadt Eupen genossen werden!

Die Finanzierung der Bauphasen

Die strukturelle Erneuerung der Außenhaut (Fenster, Türen, Mauern und Dächer) im Hauptgebäude und der Umbau der hinteren Stallungen, die zu Lagern, Proberäumen und Garderoben werden, wurden mit Fördermitteln der Wallonischen Region finanziert.

Die Restlichen Arbeiten der ersten Phase wurden über eine Co-Finanzierung der Stadt Eupen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft und nicht zuletzt mit europäischen Interreg-Mitteln über das GEMAAL Projekt (2) finanziert. Dazu gehörte auch eine Verlagerung der Hochspannungskabine vom Hof des Schlachthofs weg, hin zur anderen Seite des Verwaltungsgebäudes. Seit April 2008 ist die neue Kabine bereits in Betrieb.

Die zweite Bauphase (Innenausbau, Einbau sanitärer und technischer Anlagen, Raumgestaltung, Gestaltung der Umgebung und des umliegenden Grundstücks) wird mit Geldern der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der Stadt Eupen finanziert. Der Abschluss der zweiten Umbauphase und die damit einhergehende Eröffnung des Alten Schlachthofs sind für den Herbst 2015 vorgesehen.

Ausblick

Nach seiner Wiedereröffnung wird der Alte Schlachthof zum Bindeglied. Nicht nur auf regionaler oder überregionaler Ebene, sondern auch zwischen Künstlern und Publikum, ja zwischen den Menschen, die sich dort aufhalten werden. Gerade deshalb wird die Nutzung dieses neuen Kulturhauses sehr flexibel gestaltet.

Von Konzerten verschiedenster Musikrichtungen aus Rock-, Pop-, Jazz- und Weltmusik, moderner Klassik und Kammermusik über Performance, Literatur, Kabarett, Theater und Tanz bis hin zu Bildender Kunst in all ihren Formen ist vieles möglich. Aber, der gesamte Komplex bietet mehr. Er bietet auch Raum für Akademien, Workshops, „artists in residence“, selbst für kleine Fachmessen und Produktpräsentationen im wirtschaftlichen Bereich. Damit wird er zum Aushängeschild der Stadt Eupen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und zur interkulturellen Schnittstelle der gesamten Region.

Anmerkungen

(1) Der aus Düren stammende Architekt und Ingenieur Walter Freese hatte sich im Laufe der Zeit vom reinen Gebäudeplaner zum Fachmann für Bauten in den Bereichen Schlachthof und Lebensmittelproduktion entwickelt. Während der 1930er Jahre gehörte er zu einem Fachgremium, das Städte und Gemeinden in Deutschland und Österreich in Sachen Hygiene und Sicherheit bei der Errichtung und späteren Kontrolle von Schlachthäusern und Lebensmittelfabriken beriet. Der Alte Schlachthof in Eupen gehörte zu seinen ersten Großprojekten.

(2) Die Stadt Eupen ist Teil der Kulturpartnerschaft GEMAAL, die aus den Städten Genk, Eupen, Maastricht und Alsdorf besteht. GEMAAL steht für einen Kulturaustausch, in dem vier für die Region typische und historisch wertvolle Industriegebäude mit Fördergeldern der Europäischen Union (Interreg III) und der Regionen und Gemeinden in multifunktionale Räume umgewandelt und miteinander vernetzt werden. In Eupen ist der Alte Schlachthof das Standbein bei GEMAAL.

Zukünftige Veranstaltungen

  • Keine Termine für diesen Veranstaltungsort